Aus dem Schacharchiv von Chess-Results.com: Artikel: 893 vom 11.12.1998, Kategorie Kolumne

Mißlungene Vierteilung der Staatsliga B?

Die mit Beginn des heurigen Spieljahres vorgenommene Vierteilung der Staatsliga B trifft, sieht man vom Burgenland ab, das die diesbezügliche Initiative gestartet hatte, überwiegend auf Ablehnung. Statt einer Ausweitung der Staatsliga B wird vor allem im Westen eine Reduktion der Staatliga B auf West und Ost gefordert.

Geschwächt wurde vor allem die Staatsliga B/Ost, die durch die Änderung einen Platz im Aufstiegsturnier verloren hat und die Staatliga B/West, die hiedurch beträchtlich an Spielstärke verloren hat.

Stärkster Bewerb – nicht zuletzt aufgrund einiger hochkaratiger Legionäre aus den ehemaligen Ostblockstaaten ist derzeit zweifellos die Staatsliga B/Süd, in der nach 4 Runden Union Raika Gamlitz (mit GM Einhorn, IM Brestian und FM Kwatschewsky auf den Spitzenbrettern) mit 16 Punkten, gefolgt von Straßenbahn Graz 14½, sowie Austrian Energy Graz und ASKÖ Finkenstein, je 13, die Tabelle anführt.

Eine Spielprobe aus diesem Bewerb:


Weiß: H. Schröcker (2315)

Schwarz: FM S. Cigan (2375)

Königsindisch [E92]

Anm. H. Schröcker

1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sc3 Lg7 4. e4 d6 5. Le2 0–0 6. Sf3 e5 7. Le3 Sg4 8. Lg5 f6 9. Lh4 Sc6 10. d5 Se7 11. Sd2 Sh6 12. f3 c5 13. dxc6 bxc6 14. b4 Le6 15. a3 d5. Auch nach 15. ... Sf7 16. Sb3 Dc7 17. 0–0 Tfc8 18. Dc2 steht Weiß etwas besser.

16. Sb3 Kh8. 16. ... dxc4 17. Sc5 Lf7 18. Sd7 geht nicht gut, und nach 16. ... d4 17. Sa4 hat Schwarz Probleme mit der Aktivierung seiner Kavallerie. Mit seinem Königszug will Schwarz Probleme mit dem früher oder später unvermeidlichen Vorstoß d5-d4 Umgruppierungen wie Shg8, Lh6 oder Shg8, S8e7 ermöglichen, doch auch das hat gewisse Schattenseiten.

17. 0–0 d4 18. Sa4 Shg8 19. Sac5 Lc8.

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20. f4!. Ein atypischer Zug in dieser Stellung, der aber auch nach 20. ... Lf7 stark gewesen wäre. Die schwarzen Figuren kleben auf der Grundreihe und Weiß kann davon ausgehen, daß eine Öffnung des Spiels zu seinen Gunsten ausfällt. Außerdem erweist sich der Punkt e5 als überraschend schwach.

20. ... g5?!. Begleitet von einer Remisofferte. Objektiv besser erscheint jedoch 20. ... Dd6 21. fxe5 fxe5 22. Txf8 Lxf8 23. Sd3 und weiter mit Lg3, c5, Sa5-c4.

Mein Gegner präsentiert nun nach langem Nachdenken:

21. fxg5 Sg6?. Geboten war 21. ... f5! z.B. 22. exf5 (22. g6 hxg6 23. exf5 gxf5 oder 22. Lh5. In allen diesen Varianten erhält Schwarz Gegenspiel.) 22. ... Sxf5 (und nicht 22. ... Lxf5 23. Ld3 wie von Cigan befürchtet) 23. Lf2 Dxg5 24. Se4 Dh6.

22. gxf6 Lxf6 23. Lg3 Lg5 24. Sd3. Schwarz hat keine Kompensation für den Minusbauern.

24. ... Txf1+ 25. Dxf1 Le3+ 26. Kh1 Dg5 27. Df7!. Verhindert die Entwicklung des Lc8.

27. ... Sf4. 27. ... La6 28. Sbc5 Tf8 scheitert an 29. Sxe5!.

28. Sbc5!. Schwarz ist völlig gelähmt, während ich meine Stellung mit Tf1 oder De8 weiter verstärken kann. Deshalb folgt eine Verzweiflungstat und ein schnelles Ende:

28. ... Lg4 29. Lxg4 Sh6 30. Db7 Tg8 31. Lf3 Sg4 32. Lxg4 Dxg4 33. Sxe5 Dh5 34. Sf7+ Kg7 35. Lxf4 Lxf4 36. Se6+ und Schwarz strich die Segel.


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Problemkunst von 1891 – 1913

In seinem recht gelungenem Vorwort legt der Autor, der sich in dem vorliegenden Werk auf den Zeitraum von 1891 bis 1913 beschränkt, dar, wie schwierig es ist, die Problemproduktion vor 1914 zu dokumentieren. Das einzige Buch, das einen recht umfangreichen Überblick über die Problemgeschichte von etwa 840 bis 1968 bietet, stammt von Josef Bräuer und trägt den etwas umständlichen Titel "Beispiele zur Ideengeschichte des Problemschachs". Dieses gewaltige Werk, das erst nach dem Tode Bräuers (1981) im Auftrag der Problemschachbibel "Die Schwalbe" von Peter Kienast und Bernd Ellinghoven druckfertig gemacht und in Druck gegeben wurde, enthält nicht weniger als 1800 (!) Probleme, und stellt dennoch, wie Chlubna bei den Arbeiten zu seinen früheren Werken "Schach für Nußknacker" und "Das Matt des weißen Königs" fest, daß ist sich hierbei keineswegs um eine lückenlose Dokumentation handelte. Ehrgeizig wie er ist, sah er darin den Auftrag zu weiteren Recherchen und so gelang es ihm mit der ihm eigenen Goldgräbermentalität 350 weitere hochkarätige Probleme dieser Epoche dem Vergessen zu entreißen und damit der breiten Problemistenrunde "wieder" zugänglich zu machen.


Für all alle die schon immer Interesse am Problemschach hatten, verweisen wir auf das beim selben Autor und Verleger erschiene Einführungswerk für angehende Problemschachfreunde:

Schach für Nußknacker

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Friedrich Chlubna, der langjährige Problemredakteur des österreichischen Schachmagazins "Schach-Aktiv" gehört zu den rührigsten Problemisten Österreichs und versucht mit dem 1994 erschienen Werk, "Schach für Nußknacker", anhand einer gelungenen Einführung in die Welt des Schachproblems – mit einem literarischem Anhang von A – Z, den Kreis der Problemschachfreunde zu erweitern. Möge ihm dies gelingen!

Der Autor erläutert in 15 Kapiteln das Wesen des Problemschach und weckt damit sicherlich auch bei Turnierspielern großes Interesse.

ÖM Lothar Karrer